Seit Januar 2025 wird die RWE Aktie als Basiswert für Stillhalterpositionen eingesetzt. Im März wurde die zugrundeliegende Handelsstrategie im Wochenbericht vorgestellt.
RWE
Am 20. März 2025 stellte die RWE AG ihr Jahresergebnis 2024 vor (Die Hauptversammlung folgt drei Wochen später). Das Zahlenwerk barg kaum Überraschungen; die Dividende wird von 1 € auf 1,10 € pro Aktie erhöht (Aktienpreis: ca. 32 €). Für die Folgejahre stellte das Management höhere Dividenden in Aussicht.
Die Anhebung der Dividende war vom Markt antizipiert und hatte keinerlei Auswirkungen auf den Aktienkurs oder die Preise von Derivaten.
Das Management bekräftigte sein Commitment zum Ausbau regenerativer Energieerzeugungen, in Europa (Schwerpunkte: Deutschland, Großbritannien) u nd auch den USA. Dort werden Investitionen jedoch deutlich reduziert. Die Botschaft: Die Rahmenbedingungen sind nicht kalkulierbar; bereits begonnene Solar- und Windprojekte werden fortgeführt. Es fließen also planmäßig die für 2025 eingestellten Mittel in US-Projekte. Von weiteren Projektentwicklungen nimmt man aber wegen der unklaren Rahmenbedingungen Abstand. Die hierfür vorgesehenen Mittel werden statt dessen an die Aktionäre (hauptsächlich deutsche Komm unen) ausgeschüttet.
In Europa bleibt die Investitionsplanung unverändert. Insbesondere will RWE in Netzspeicher investieren, die eine zentrale Rolle in der zukünftigen Strominfrastruktur spielen werden.

Die RWE-Aktie ist ein typischer Dividendenwert. Per Saldo ist der Aktienkurs konstant. Unterjährig schwankt der Wert um etwa 20 Prozent. Die Abb. 1 zeigt auch die kontinuierlich angehobenen Dividendenzahlungen. Andererseits ist die Dividendenrendite mit aktuell 3,4 Prozent nicht wirklich berauschend. Die Verzinsung passiv investierten Aktienkapitals entspricht in etwa der aktuellen Inflationsrate. Die Charakterisierung »langweilig« beschreibt die Aktie gut.
- Die RWE setzt konsequent seine Transformation in einen regenerativen Energieversorger fort.
- Die Rahmenbedingungen in Europa sind unverändert gut.
- US-Investments werden zurück gefahren.
- Der Versuch, Ertragsströme durch Beteiligungen an US-Solar- und Windparks zu diversifizieren, ist offenbar gescheitert.
Stillhalterstrategie
Die RWE erfüllt alle Voraussetzungen für einen veritablen Basiswert für eine Stillhalterstrategie. Stetig steigende Dividendenausschüttungen stützen den Aktienpreis bei insgesamt sinkenden Marktpreisen. In Haussephasen ist der Wert ein Underperformer – welche Preisphantasie kann ein Unternehmen entfachen, dass nichts besseres zu tun weiss, als geplante Investitionen auszuschütten, anstatt sie zu reallokieren? Gleichzeitig ist die implizite Volatilität höher. Klar: Der Wert trägt die Risiken eines Einzelwerts; der Aktienpreis kann newsbedingt immer um fünf Prozent steigen oder auch 10 Prozent fallen.
Bereits zum Jahreswechsel wurde eine RWE-Handelsstrategie aufgesetzt, die kontinuierlich Optionen auf den Basiswert veräußert. Anders als bei der Bayer-Turnaround Strategie ist die Grundannahme hier ein insgesamt konstanter Marktpreis. Die Stillhalterstrategie hat das Ziel, ein alternativ mögliches Aktienengagement risikolos outzuperformen. Hierfür werden ggf. auch Spreads aufgebaut, also Call- und Put-Optionen mit unterschiedlichen Strikes und gleicher Fälligkeit veräußert. Hierdurch kann der Ertrag z.B. in den schwankungsarmen Sommermonaten verbessert werden.
Hedge-Funds aktiv
Unmittelbar nach dem US-Wahlen im November 2024 begann der aktivistische Hedge-Fund Elliott eine Beteiligung aufzubauen. Am 24. März meldete die FT:
Hedge fund Elliott Management has taken a stake of nearly 5 per cent in RWE, calling for the German energy group to “significantly increase and accelerate” its share buyback programme.
Die Message: Die Hegde-Funds haben ein Auge auf das nun scheibar brach liegende Investionskapital geworfen. Nun möchte man das Management zwingen, über die angekündigten Dividendenerhöhungen hinaus das Geld über einen Aktienrückkauf an die Aktionäre auszuschütten.
Die Aussicht, dass die Firma selbst jede Marktschwäche für den Aufkauf eigener Aktien nutzen könnte, könnte in den kommenden Monaten zu einer Outperformance der Aktie gegenüber dem Gesamtmarkt führen.
Aufgrund dieser Meldung wurde der Strike der Juni-Option etwas aggressiver gewählt.